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Zuletzt aktualisiert am: 21.02.2017



Schulgebäude heute in Privatbesitz
Alte Schule


Gliederung:

Schulgründung und Entwicklung
Streit um den Schulausbau in Oranischer Zeit
Schule im 1. Weltkrieg und Weimarer Zeit
Schule im III. Reich
Auszüge aus dem Strafbuch der Nenderother Schule 1891-1920




Die Schulgründung und Entwicklung




Als im Jahre 1969 die Hessische Schulreform der Nenderother Dorfschule das Ende bereitete, konnte sie auf eine fast 400 jährige Geschichte zurückblicken.

Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg, der Gründer der Herborner Hohen Schule, rief auch die Westerwälder Volksschulen ins Leben. Zeitlich fällt dies mit der Einführung des Kalvinismus zusammen. Und daraus erklärt sich auch ihr Zweck. Der weitblickende Landesherr hatte mit den Schulgründungen ein Instrument geschaffen, das der Ausbreitung und Festigung der neuen Staatsreligion dienen sollte. Diesem Ziel war der gesamte Ablauf des Schulbetriebes untergeordnet, der zumindest in der Gründerzeit lediglich kirchlichen Interessen diente. Und die geistlichen Visitatoren, die bei ihrem Besuch der Pfarreien natürlich auch die neuen Schulanstalten in Augenschein nahmen, geizten nur dann nicht mit ihrem Lob, wenn die Kinder die Fragestücke des Heidelberger Katechismus ordnungsgemäß hersagen konnten. Trotz dieser kirchlichen Gebundenheit und einseitigen Ausrichtung bedeuten die Schulgründungen einen bedeutenden Kulturfortschritt.

Die neuen Bildungsstätten wurden durchweg als Kirchspielschulen am Sitz der Pfarrei eingerichtet. In den ersten Jahren waren es die Ortsgeistlichen welche die Kinder unterrichteten und sie mit dem Auswendiglernen von Psalmen und Liedversen traktierten. Später ordnete man ihnen Diakone (Pfarrhelfer) zu, die den Unterricht übernahmen.

In Driedorf hielt schon 1581 Pfarrer Crampius die Schule. Die Kirchspielschulen in Mengerskirchen und Beilstein gab es bereits 1588. Wir dürfen daher mit Sicherheit annehmen, daß auch die Nenderother Schule zwischen 1582 und 1588 ins Leben gerufen wurde. Das Nenderother Kirchspiel bestand aus den Orten Nenderoth, Arborn, Odersberg, dem Diezer Teil Münchhausens und Ködingen, einem kleinen Dorf zwischen Nenderoth und Obershausen gelegen, welches Graf Georg von Nassau-Beilstein in den Jahren 1606-1608 umsiedelte und an gleicher Stelle ein Wildgatter anlegen ließ.

Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts trennten sich die Filialorte von der Nenderother Gemeinschaftsschule und stellten „Privatschulmeister“ ein. Münchhausen hatte schon 1597 zusammen mit der nach Driedorf eingepfarrten Dorfhälfte eine eigene Schule eingerichtet. Arborn erhielt 1711, Odersberg 1739 ein eigenes Schulhaus. Die Gründe dafür dürften praktischer Natur gewesen sein und sich mit den beschwerlichen Schulwegen gerade in den Wintermonaten erklären. Die schulrechtliche Bindung an die Kirchspielschule blieb jedoch bis zum Untergang des Oranischen Staates und der nachfolgenden Neuordnung des Nassauischen Schulwesens bestehen.

Die Regierung sah der Entwicklung ruhig zu, bestand aber weiter auf der Beitragspflicht gegenüber der zentralen Kirchspielschule. Für etwas zu bezahlen, was eigentlich keinen Nutzen brachte, ging den Bauern der Kirchspieldörfer nur schwer ein und war immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen. Münchhausen, der abgelegenste Ort aus dem Nenderother Schulverband führte zwei Jahrhunderte lang einen vergeblichen Kampf gegen diese Zuordnung.

Schwere Schulzeiten


Zunächst war die Nenderother Schulgründung dankbar angenommen worden. Der Eifer dürfte jedoch schnell abgeflaut sein, als es galt Opfer für den Unterhalt zu bringen. Schließlich war seitens der Gemeinden nicht nur der Schulmeister zu besolden, auch das Schulgebäude wollte instandgehalten sein. Daß man die neue Nenderother Schule nicht gerade im besten Gemäuer untergebracht hatte, geht aus der Klage des Schulmeisters Henrich Petri hervor. In deutlichen Worten bedauerte er den Zustand des armen Schulhäuschens, das er bereits 1629 als „enge Leußhütte und bedompftes Nest“ bezeichnete.

Vielleicht wäre die schulische Entwicklung trotzdem in ruhigen Bahnen verlaufen, wenn nicht der 30 jährige Krieg das verheißungsvolle Werk ins Stocken gebracht hätte. In Friedenszeiten waren es zumeist junge Geistliche mit theologischer Bildung die den Unterricht erteilten. Reinhard Lich, der erste bekannte Lehrer, war Theologe und auch sein Nachfolger, Sebastian Lang aus Rehe, hatte das Herborner Pädagogium besucht.

Der große Krieg brachte den Niedergang. An die Stelle der Pädagogen traten nun oft genug gescheiterte Existenzen, die sich mit mehr oder weniger Talent den armen Schulkindern widmeten. Unvermögen oder irgend ein körperlicher Mangel hatte sie vom Erwerbsleben ausgeschlossen; für die Schule schienen ihre Kräfte indes noch auszureichen. So auch der Dillenburger Henrich Petri, der von 1615 bis 1632 in Nenderoth auftrat. Er, ein Zimmermann von Beruf, war in Heidelberg vom Gerüst gefallen und hatte sich dabei so verletzt, daß er nach eigenen Worten nicht mehr im Stande war, „harte Brettlein zu bohren“ und sich daher „mit Schuldienst und kleinen Dorfkindern schleppen mußte“. Handgreiflich schien es in jenen frühen Schulzeiten durchweg zugegangen zu sein, und bei den Kirchenvisitationen waren es nicht selten die Klagen gegen den Schulmeister, mit denen sich der Amtmann und die geistlichen Visitatoren beschäftigen mussten.

Am 27. Mai 1621 wurde die Nenderother Kirche visitiert. Dabei nahmen die Vorwürfe gegen Schulmeister Arcularium *), der anscheinend während der Amtszeit von Henrich Petri das Schulamt eine Zeitlang versah, einen breiten Raum ein und gipfelten in der Androhung, die Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken. „Uber den Schulmeister Arcularium haben sie heftige Klagen geführt, daß er zu viel autorus, und unbescheiden bei den Kindern sei mit schläge über den Köpff, ins gesicht, mit ohr und haarropffen p.p., vertriebe die Kinder, daz sie sich verstecken undt nit zur schul konnen gebracht werden ...“ protokollierte Pfarrer Georg Barger damals in den Kirchenakten. Dem so angegriffenen Schulmann wurde daraufhin verordnet, „solche autoriter und unbescheiden schlege abzustellen und die Ruthe gebürlich zu brauchen ...“. Auch Schulmeister Henrich Petri musste sich acht Jahre später, am 6. Juni 1629, wegen allzu harten Vorgehens gegenüber seinen Schulkindern vor der Visitation verantworten.

„Als das Pfarrvolk gefragt ward über Pastorn und Schulmeister, wie sie mit ihnen zu frieden, antworteten sie, Mit dem Pastor wohl, der Schulmeister aber ist noch ettwaz hartt gegen ezliche Kinder, schlegt sie umb die Köpf, hierum ist der Schulmeister verwarnet auf die Ruth zu nehmen ermahnet worden“.

*) Ob jener Schulmeister Arcularium mit dem Pfarrer Jost Arcularium identisch ist, der von 1615 bis 1621 in Nenderoth stand, ist nicht geklärt. Zum Zeitpunkt der Visitation war bereits Pfarrer Georg Barger im Amt.

Im Jahre 1634 gab jedes Haus im Kirchspiel zur Besoldung des Schulmeisters eine Meste Hafer, Glockhafer genannt, und 6 Albus (¼ Gulden) an Geld. Familien, die Kinder zur Schule schickten, hatten 6 Albus zu liefern. Ferner erhielt der Kirchspielschulmeister von der Taufe eines Kindes einen Laib Brot, das sogenannte "Taufbrot". Bei Todesfällen gab es 3 „Sterbbrote“. Auf die zahlreichen Handreichungen, die der arme Schulmann als Gegenleistung für dieses Zubrot tun musste, wird an anderer Stelle noch näher eingegangen.

Trotz steigender Not hatte sich die Nenderother Kirchspielschule noch bis weit in die Kriegsjahre hinein gehalten. Die Katastrophe des Mansfeldschen Einfalls überstand sie nicht. Als zu Anfang Mai 1635 die Söldner Horden unsere Dörfer heimsuchten und die letzten noch verbliebenen von Haus und Hof vertrieben, verwaiste auch die Schule.

Erst als sich der Krieg dem Ende zu neigte, kehrten langsam die Menschen in die Dörfer zurück. 1643 waren in Nenderoth wieder 6 Häuser bewohnt. Im Filialort Arborn waren es im gleichen Jahr bereits 16. Es ist aus diesem Grund verständlich, dass der Kirchspielschulmeister Johannes Hild aus Dillhausen seine Tätigkeit nach Arborn verlegte. Von 1648 bis 1651 taucht er wieder im Kirchort auf.

Nach dem großen Krieg lieferten nur die Häuser ohne Kinder nur den Glockhafer, zwei Brote und 6 Albus als ständige Jahresgabe an den Schulmeister. Die Leistungen der Familien mit Schulkindern wurden durch einen Akkord festgesetzt, der bei jedem Lehrerwechsel neu ausgehandelt werden musste. Die Verhältnisse im engen Nenderother Schulhäuschen schienen sich seit jenen Klagen des Henrich Petri auch zu Anfang des 18. Jahrhunderts noch nicht gebessert zu haben. Nach einem Kirchenvistiations-Protokoll aus dem Jahre 1715 hatte die Nenderother Schule nur eine einzige schlechte, wüste Stube, in der sich nicht nur die Schulkinder, sondern auch die neunköpfige Schulmeisterfamilie aufhalten musste.

Dass die Vistitatoren auf Beseitigung dieses Mißstandes drängten und auh den Beilsteiner Amtmann von der Notwendigkeit einer Schulerweiterung überzeugen konnten, schien indessen die Bauern des Nenderother Kirchspiels wenig zu interessieren. Sie waren keinesfalls bereit, für den Schulmeister auch nur einen Stein zu verrücken und blieben allen Vorschlägen gegenüber taub. Erst als die Diezer Regierung ein Machtwort gesprochen hatte, kam der damalige Lehrer Kegel zu einer weiteren Stube. Wie Hörpel behauptet, wurde sie im Jahre 1716 durch ein Erweiterungsbau geschaffen. Die Nenderother Schulchronik bestätigt das Baujahr und berichtet: „Das gegenwärtig noch stehende Schulhaus wurde im Jahre 1716 von den sämtlichen Kirchspielsgemeinden: Nenderoth, mit der Johannisburg und den beiden Mahlmühlen Sauerborns- und Schneidmühle, Arborn, Odersberg und Münchhausen Diezerseits, erbauet“.

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Streit um den Schulausbau in Oranischer Zeit




Johann Heinrich Kegel tritt ab 1734/35 als Nenderother Schulmeister auf. Sein armseliges Salär konnte ihn und seine vierköpfige Familie mehr schlecht als recht ernähren. So war er gezwungen, nebenbei noch einen zweiten Beruf auszuüben. Er war Schreiner. Da die Einkünfte durch die Hobelbank ähnlich mager waren wie seine Bezüge aus der Schulmeisterei, stellte er kurzerhand auch noch einen Webstuhl in die enge Schulstube.

Den Schulmeister schienen diese Verhältnisse indes nicht weiter gestört zu haben. Anders den Nenderother Pfarrer Tilemann, der die Schulaufsicht führte. Er schilderte, sehr zum Leidwesen der Bauern, die nur unnütze Kosten auf sich zukommen sahen, der Regierung die Verhältnisse an der Nenderother Schule und beantragte einen Ausbau.

Die Bewohner des Nenderother Kirchspieles hatten erst kurz zuvor den kostspieligen Neubau des Pfarrhauses finanzieren müssen und sich dabei hoch verschuldet. Verständlich, daß die neuerlichen Pläne bei ihnen auf wenig Gegenliebe stießen.

In mehreren Eingaben an die Fürstliche Regierung formulierten sie ihre Bedenken. Daß sie dabei die Situation an der Schule nur aus ihrer sicht darstellten und dem Lehrer als eigentlichem Nutznieser einige Seitenhiebe verpaßten, kann man nachvollziehen.

Am 29. Dezember 1780 machten sie folgende Eingabe:

Unterthänige Vorstellung und Bitte des Kirchspiels Nenderoth im Amte Beilstein die Vergrößerung des Kirchspiels Schulhauses zu Nenderoth betr.

„Es ist uns auf Befehl des Fürst. Oberconsistoriums von dem Fürstl. Amt zu Beilstein, die Vergrößerung unseres Kirchspiel Schulhauses zu Nenderot, ernstnachdrücklich bedeutet worden, und wir würden uns auch hierzu willig fügen, wenn wir durch nachstehende Gründe, die wir Fürstl. Landesregierung vorzutragen, uns unterstehen, die Unterlassung nicht zu versichtlich hoffen dürften.

Das Schulhaus besteht aus zwei Stuben, und einer Kammer, mithin ist für eine Familie darinnen Raum genug, und kann immer eine Stube zum besonderen Schul-Unterricht frei gelassen werden. Ehemalen gingen die Kinder aus dem ganzen Kirchspiel in diese Schule, und die unterste Stube, war zu der ungleich größeren Anzahl der Kinder gegen jetzt gros genug, sie alle aufzunehmen; da doch jetzt nur allein die Kinder aus Nenderot dieselbe besuchen. Überdem wohnten noch zwei Familien nämlich der jetzige Schulmeister und sein Vater darinnen, und hatten Raum genug.

Auch haben wir in unserem Kirchspiel bekanntlich viele Armen, welchen es unmöglich fällt, die viele Kirch-, Pfarr- und Schulgebäude zu unterhalten, vielweniger einen Beitrag zu neueren Bauungen thun zu können.

Noch in dem letzt abgewichenen Jahr haben wir nicht nur unsere Kirche repariren, sondern auch ein Pfarr-Backhaus welches, uns über 100 Gulden gekostet hat, aufbauen müssen, zu welchem dannoch kommt, daß jedes Dorf sein eigenes Schulhaus mit schweren Kosten aufgebaut hat, und jährlich neben dem Schulmeister unterhalten mus. Viele haben sich auch durch den Beitrag der Brandsteuergelder für Frohnhausen, da sie nicht nur ihre eigene Gebäude, sondern auch Pfarr- und Schulgebäude versteuern mußten, dergestalt geschwächt, daß sie kaum ihren notwendigen Unterhalt, und die Herrschaftl. Abgaben erschwingen können.

Dieser Gründe, und da das Schulhaus nach seiner jetzigen Größe für weit mehr Kinder über fünfzig Jahr gros und gut genug gewesen ist, so denken wir, daß es auch jetzt für wenigere Kinder gros genug seyn wird.

Wollte man aber um deswillen das Gegentheil behaupten, weil der jetzige Schulmeister seinen verheuratheten Sohn mit seinen Kindern bei sich genommen habe, und also die Schulstube zum Gebrauch der Wohnstube genommen werden müssen, so sehen wir mit Recht diesem entgegen, daß uns keinesfalls die Verbindlichkeit aufgelegt werden kann, ein Schulhaus für zwo Familien zu erweitern. Soll und will der Sohn des alten Schulmeisters seinen Vater unterstützen, so mag er sich eine Wohnung anschaffen, und diese kann er um so leichter finden, als berichts sein Vater sich ein eigenes schönes Haus angeschaft und an einen Fremden vermiethet hat, welches etwa zehn Schritte von dem Schulhaus abgelegen ist, und der junge Kegel noch Stärke und Jugend genug hat, diese paar Schritte zu thun, weil er ohnehin nicht uns, sondern seinen Vater unterstützt, auch wol hierzu nicht zu vornehm seyn mag.

Wir würden auch wol zur Erweiterung des Schulhauses in unserem Leben nicht seyn angehalten worden, wenn nicht unser Herr Pfarrer mit dem Schulmeister in Zwistigkeit gerathen wäre; da diese aber entstanden, so mag der Herr Pfarrer nicht leiden, daß in der Schulstube zu Winterszeiten soll gesponnen werden, und der Schulmeister ist zu sparsam, sich zu letzterem Beruf die oberste Stube auch etliche Stunden des Tages, solange der Schul-Unterricht dauert zu heizen. Man will also lieber das Kirchspiel in schwere Baukosten stürzen, als jene kleine Ausgabe aufopfern. Damit wir aber nicht zu viel und also nichts beweisen; So wollen wir nur noch Fürstl. Landesregierung unterthänigst bitten, die Gründe unserer Vorstellung aus denen bekannten preiswürdigsten Gesinnungen um den Unterthan auf zuhelfen gnädig zu erwägen, und uns von der Vergrößerung des Schulhauses huldreichst zu entbinden.“


Doch all ihre Einwände halfen nichts. Die Landesregierung stellte sich auf die Seite des Schulmeisters und wies das Kirchspiel an, umgehend den Ausbau des Schulhauses vorzunehmen. Daß er tatsächlich durchgeführt wurde, bestätigt uns die Nenderother Schulchronik:

„Die Schule, welche Mangel an Raum, in der Wohnstube des Lehrers mußte gehalten werden, erhielt im Jahr 1781 eine neue Einrichtung. Ein alter Stall an dem Schulgebäude wurde abgerissen und an dessen Stelle eine halbe Scheuer mit einem Rindvieh- und Schweinestall erbaut, wo dann zugleich auch auf dem Rindviehstall eine Stube angebracht wurde und nun der Schulunterricht in einer besonderen Stube ungestört erteilt werden konnte.“

Bereits im Jahr 1775 hatte Johann Henrich Kegel, von dem die Chronik berichtet, er sei „fast beständig munterer Laune gewesen“, um die Anstellung eines Adjutanten gebeten. Sein Sohn Jacob Peter hatte die Familientradition fortgesetzt und ebenfalls den Schulmeisterberuf ergriffen. Was lag also näher, ihn als Gehilfen und späteren Amtsnachfolger in Vorschlag zu bringen. Die Regierung lehnte jedoch seine Bitte ab.

Erst 12 Jahre später, 1787, wurde Jacob Peter Kegel seinem Vater unter der Bedingung adjunktiert, „daß er sich wohl betrage, von Tag zu Tag mehr qualifiziere und den Ackerbau nicht selbst, sondern durch andere treiben lasse“. 1796 wurde ihm die Schulstelle förmlich übertragen. Bei der Ernennung betonte das Konsistorium, daß er den Schuldienst in Nenderoth, der nun schon in der dritten Generation vom Vater auf den Sohn überging, „nicht als ein Erbe seiner Familie ansehen soll“.

Auch verwies man in dem Ernennungsschreiben, welches in der Reskriptensammlung des Nenderother Pfarrarchivs vorliegt, nochmals mit Nachdruck auf das Verbot des Ackerbaus mit eigener Hand und wies den Nenderother Pfarrer Johann Eberwein Knöll an, „besonders in diesem Punkte Achtung zu geben“. Laut Nenderother Schulchronik hatte sich Jacob Peter Kegel bemüht, für die hiesige Schulstelle ein Kapital von 10 fl. Zu erwerben. Es stammte von Lotterielosen für eine Schullotterie im Oranien-Nassauischen und fiel als Zehnter Pfennig der hiesigen Schule zu, „wovon der zeitliche Schullehrer die Zinsen zu genießen hat“.

In seiner Amtszeit wurde auch das Mitbringen der Schulscheiter abgeschaft. Die 5 Klafter Brandholz, die ihm fortan jährlich für die Beheizung der Schulstube gewährt wurden, schien jedoch den Gemeinden des Kirchspiels auf die Dauer zu teuer gewesen zu sein, denn schon kurze Zeit später gaben sie nur noch 4 Klafter. Die Schülerzahl in jener Zeit schwankte zwischen 20 und 30.

„Wegen Alters, besonders Gehörschwäche“ suchte Jacob Peter Kegel um die Nachfolge seines Sohnes Jacob Henrich nach, der seit dem 24. März 1800 an der Arborner Schule tätig war. Die Regierung entsprach seiner Bitte und vollzog zum 25. Januar 1812 den Wechsel in der Nenderother Schulstelle.

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Schule im 1.Weltkrieg und Weimarer Zeit




Bereits bei Ausbruch des 1. Weltkrieges, im Herbst 1914, verwaiste die Nenderother Schule. Lehrer Wilhelm Fein, der seit 1911 den Schuldienst versehen hatte, eilte als Freiwilliger zu den Fahnen.

Der Odersberger Lehrer Georg hielt anfangs den Unterricht. Später war es Lehrer Gimbel aus Rodenroth, Lehrer Wenzel und Lehrer Gimmelt aus Arborn, die vertretungsweise an der Nenderother Schule unterrichteten. Letzterer führte auch notdürftig die Chronik weiter. Wilhelm Fein kehrte nicht wieder an seine Schulstelle zurück. Er verstarb schon 1917 an den Kriegsfolgen.

Die Nenderother Schulkinder sendeten, wie damals üblich, zu Weihnachten 1917 kleine Geschenke an die Soldaten ins Feld. Nach Beendigung des Krieges, Anfang des Jahres 1919, wurde die Schule mit Walter Kempfer neu besetzt und der Schulbetrieb konnte wieder in normalen Bahnen laufen.

Das Schulgebäude hatte während der Kriegsjahre gelitten. Lehrer Kempfer beklagte bei Dienstantritt den schlechten Zustand von Schulzimmer und Lehrerwohnung. Die Armut der Gemeinde gestattete jedoch nur die notwendigsten Reparaturen.

Schulorganisatorisch hatten sich mit Einführung der neuen Verfassung 1919 einige Änderungen ergeben. An die Stelle des Schulvorstandes trat nun der Elternbeirat. Nicht mehr der Ortspfarrer kraft seines Amtes, sondern ein frei gewähltes Mitglied des neuen Schulgremiums führte nun den Vorsitz. Die Trennung der Schule von kirchlicher Einflußnahme, die schon 100 Jahre zuvor von den französischen Reformern angestrebt worden war, hatte sich nun endgültig vollzogen. Das Wirtschaftsgebäude war 1931 schon baufällig und mußte instandgesetzt werden. Seine ursprüngliche Bedeutung hatte es lange verloren, war schon jahrelang verpachtet und diente zuletzt als Holzschuppen. Auch für das Schulland, in früheren Zeiten ein wichtiges Zubrot für die Schulmeister, war nun keine Verwendung mehr. Lehrer Fuchs trat es im Jahr 1930 an die Gemeinde ab.

In den Jahren der jungen Deutschen Republik erlebte trotz Armut und Zwangsabgabe das kulturelle Leben im Dorf regen Aufschwung. Vereine wurden gegründet und die Schuljugend übte sich im Theaterspielen. Mit den Kindern wurden in den Wintermonaten Märchenspiele eingeübt und dann im Saal der Gastwirtschaft Schneider aufgeführt. Ein mühevolle Aufgabe für den Lehrer.

Walter Kempfer verließ 1925 Nenderoth. Nach kurzen Gastspielen der Lehrer Adolf Dienstbach (1925-1928) und Ludwig Wintermeyer (1928), alle klagten über die schlechten Wohnverhältnisse, kam Lehrer Theodor Fuchs an die hiesige Schule.

Die Gemeinde hatte sich, trotz heftigen Drängens der Lehrerschaft, bisher außerstande gesehen die Schul- und Wohnungsmisere zu verbessern. Zwar hatten die Gemeindegremien bereits 1927 einen Schulneubau beschlossen, die Durchführung jedoch von erheblichen Kostenzuschüssen seitens der Regierungsstellen abhängig gemacht. Als diese ausblieben, scheiterte schließlich das ganze Vorhaben. Einziges Ergebnis war eine kleine Kammer, die man 1930 auf dem Speicherboden einrichtete.
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Schule im III. Reich




Der 30. Januar 1933, Tag der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und Beginn des III. Reiches, führte auch in den Schulen zu tiefgreifenden Veränderungen. Lehrer Fuchs wendete sich nach eigenem Bekunden begeistert der neuen Bewegung zu.

Vorübergehend leitete er für die NSDAP die Geschäfte des Blockwartes, organisierte Jungvolk und BDM und war Presse- und Propagandawart der örtlichen NSV.

Im Januar verließ er die Nenderother Schule und trat in Roth/Dillkreis seine neue Stelle an. Für ihn kam Oswald Grimm nach Nenderoth. Im Sommer 1934 wurde für alle Schulen der Staatsjugendtag eingeführt. Schulkinder der 5. bis 8. Klasse, die dem Jungvolk angehörten, hatten nun an Samstagen schulfrei. Für sie gab es an diesen Tagen „Dienst“ in Form von Sport, Wanderungen und Geländespielen sowie politischer Schulung.

Neben Elternhaus und Schule sei nun als dritter Erziehungsfaktor die Hitlerjugend getreten, berichtet Lehrer Grimm nicht ohne Stolz in der Schulchronik.

Die Elterbeiräte, Zeichen demokratischer Schulverhältnisse, waren schon 1934 abgeschaft worden. An ihre Stelle traten sogenannte Jugendwalter. Allein bei ihrer Berufung wurde der Einfluß deutlich, den die Partei auch in schulischen Dingen nahm. War jemand für dieses Schulgremium vorgeschlagen, so bedurfte es vor seiner Ernennung der politischen Unbedenklichkeitserklärung durch die NSDAP. Gemeinsame Sportfeste, Ausflüge und Wanderungen mit den Nachbarschulen, sowie der Modellbau im Werkunterricht fanden natürlich als neue Errungenschaften ungeteilten Zuspruch und begeisterten die Kinder. Die Schulorganisation des III. Reiches erschien vielen damals positiv.

Aber schon bald sollte mühsames Ährenlesen und Kartoffelkäfersuchen, zu dem die Schulkinder verpflichtet wurden, das Bild relativieren. Im Frühjahr 1935 diente Lehrer Grimm beim Militär. Die Vertretung in der Schule übernahmen seine Nachbarkollegen Hohnhaus und Homberg aus Arborn sowie Lehrer Grebe aus Rodenroth.

Nach seiner Eheschließung 1936 verließ Oswald Grimm die enge Schulwohnung. Die Bürgermeisterei und das Standesamt bezogen die freigewordenen Räume im Untergeschoß. Das Schuljahr 1937/38 brachte weitere Veränderungen. Der Nachmittagsunterricht wurde eingeführt. Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg, und Lehrer Grimm zog ins Feld. Es waren wieder seine Kollegen aus Arborn, die die Vertretung übernahmen. Nach seiner U.k. Stellung zum 9. Dezember 1940 kehrte Grimm an seine Schulstelle zurück. Hier blieb er dann noch knapp 2 Jahre und wurde zum 31. August 1942 nach Ewersbach versetzt. Die Schule stand bis nach Kriegsende ohne Lehrer. Leider ist auch in jener Zeit die Chronik, deren 1. Band mit dem Versetzungsdatum von Lehrer Grimm endet, nicht weitergeführt worden. So sind weder über die Kriegsereignisse noch über den Zusammenbruch Nachrichten festgehalten worden. Nachforschungen ergaben, daß der Unterricht in diesen Jahren vertretungsweise von den Lehrern Georg/Odersberg, Ackermann/Arborn und der Hilfslehrerin Fräulein Schöndorf aus Odersberg erteilt wurde. Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen Ende März 1945 mußte auch die Schule ihren Betrieb einstellen. Ihre Räume dienten den Besatzungssoldaten als Unterkunft. Erst nach einem halben Jahr konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden. Als mit Wilhelm Perlemann im Mai 1946 die Schulstelle wieder fest besetzt wurde kehrte auch hier die Normalität ein.

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Auszüge aus dem Strafbuch der Schule zu Nenderoth von 1891-1920


Laufende Nr. Jahr Monat Tag Name des Schülers Name und Stand der Eltern
resp. der Vormünder
Art der Vergehung Art der Züchtigung
11. 1891 Juni 9. Theodor E. J. W. E. Ausheben von Vogelnestern
Ausnehmen junger Rotschwänzchen
wurde zünftig gebläut
15. 1891 Juli 11. August W. Peter B. Wegen Tierquälerei wurde mit d. Stock
zünftig gebläut
16. 1891 Sept. 10. Oskar Sch. Theod. Sch. wegen Rauchens (Kirmes !) empfing 3 Stockschläge
28. 1891 Sept. 10. Otto H. Wilh. H. wegen Raufens empfing 3 Stockschläge
34. 1891 Sept. 20. Karl S. Karl S. hat Obst gestohlen
und log
empfing 6 Stockschläge
40. 1892 Aug. 11. Otto E. Otto E. Tierquälerei
(junge Katzen gequält)
empfing 6 Stockschläge
42. 1892 Aug. 22. Carl Th. Engelh. Ww. Stechen mit dem Messer 10 Stockschläge
43. 1892 Sept. 8. Theodor V. Johannes V. Werfen mit Steinen
auf einen Hund
4 Stockschläge
45. 1892 Dez. 9. Heinrich N. Wilhelm N. Eigensinn und versuchter Widerspruch 4 Stockschläge
47. 1893 Febr. 27. Karl B. Heinr. B. hat von Kfm. Ebener Nägel
gestohlen und alles geleugnet
empfing 8 Schläge mit dem Stock
56. 1893 Juni. 20. Reinhold Th. Engh. Ww. Machte ein Feuer an
i.d.Näh von Häusern
6 Stockschläge
57. 1893 Juli. 18. Heinrich N. Wilhelm N. Schlägerei und Werfen mit Steinen
mit Obershäuser Schülern
6 Stockschläge
72. 1894 Jan. 19. Reinhold Th. Engh. Ww. Stahl einem Mitschüler
das Lineal
6-8 Stockschläge
73. 1894 Feb. 14. Emil S. Karl S. Abends Unfug auf der
Gasse und Lügner
4-5 Stockschläge
86. 1894 Jul. 12. Henriette S. Johann L. Zerschnitt ihrer Mitschülerin
die Kleider
5-6 Stockschläge
88. 1894 Aug. 28. Reinhold R. Ludwig R. Stach mit dem Messer 10 Stockschläge
94. 1895 Feb. 18. Reinhold K. Karl K. Schlittenfahren am Sonntag
kann doch am Montag!
4-5 Stockschläge
98. 1895 Mär. 21. Reinhold R. Ludwig R. Trotz und Eigensinn
beim Singen
3-4 Stockschläge auf Schultern
101. 1895 Jul. 15. Otto Sch. M. W. Stieg auf Kirschbäume die der
Gemeinde gehören (riß Ast ab)
4-5 Stockschläge auf die Rückseite
103. 1895 Jul. 27. Otto H. W. H. Sollten Schulholz aufsetzen
blieben ohne Entschuld. daheim
3 Stockschläge auf G.
4. 1896 Apr. 17. Lina S. Carl S. Mit Steinen geworfen
(Loch in den Kopf. Wolf !)
4 Stockschläge auf Schultern.
5. 1896 Mai. 08. Hermann K. Christian K. Schlugen junges Küken tot
Tierquälerei.
4-5 Stockschläge auf G.
16. 1896 Aug. 04. Regina R. Ludwig R. Trotz! will nicht lesen 3 Stockschläge auf d. Schultern
05. 1896 Mai. 08. Hermann K. Christian K. Schlugen junge Eulen tot. Tierquälerei ! 5-6 Stockschläge a. G.
19. 1896 Sep. 13. Minna II. B. Carl August B. In Vorhausen´s ein Ei gestohlen 5-6 Stockschläge auf d. Schultern
20. 1896 Sep. 21. Otto E. Joh. E. Ww. Bei Tanzmusik angetr. 3-4 Stockschläge auf d. G.
39. 1898 Sep. 20. Carl S. Heinrich S. In böswilliger Absicht und auf sehr
unvernünftige Art Tintenbehälter beschmutzt
6 Stockschläge auf d. G.
40. 1898 Okt. 28. Ernst Pf. Ferdinand Pf. Sonntags Eichhörnchen gefangen
und gequält
6 Stockschläge auf d. G.


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