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Zuletzt aktualisiert am: 21.02.2017




Kirche heute

Gliederung:

Kirche in der vorreformatorischen Zeit
Die Kirche und der Kirchhof




Kirche in der vorreformatorischen Zeit



Die nachvollziehbare Kirchengeschicht beginnt quasi mit der urkundlichen Ersterwähnung Nenderoths im Jahre 993. Als Teil der Besitzungen der „Freien Acela“ war sie nach deren Tod dem Kaiser zugefallen.

Nach den Rechtsgewohnheiten der Trierer Erzdiözese stand das Patronat (Recht zur Pfarrbesetzung) einer Kirche dem jeweiligen Gründer zu und konnte von dem als Gegenstand des öffentlichen Rechts verkauft oder auch vererbt werden. Es ist demnach davon auszugehen, daß jene Acela das Patronat zu Lebzeiten besaß. Ob sie selbst die Kirche gegründet, oder das Patronat im Erbgang oder durch Kauf erworben hatte, ist nicht mehr feststellbar. Fest steht, daß zum Zeitpunkt der Ersterwähnung 993 die Kirche schon eine gewisse Zeit bestanden haben muß und ihre Gründung vermutlich mit der ursprünglichen Anlage der Siedlung im Zusammenhang steht.

Bedeutsam für die Entwicklung der frühen kirchlichen Strukturen war die Ausbreitung des Wormser Kirchengebietes. Hildebald, der Wormser Bischof, hatte bereits am 24. April 993 die unter König Konrad im Jahr 912 gegründete Weilburger Kirche in Form einer Schenkung in seinen Besitz bringen können. Damit war Worms auch die Haigerer Taufkirche zugefallen. Sie war als Filiale dem Walpurgisstift unterstellt und nun das nördlichste Gebiet des Wormser Kirchenbesitzes. Mit dem Erwerb Nenderoths war zwischen beiden eine wichtige Brücke geschlagen. Zusätzliche Schenkungen aus dem Königsbesitz, wie die Wilinaburg (Weilburg) und die ausgedehnten Waldungen zwischen Nenderoth und der Ulm, die im Jahre 1000 in Wormser Besitz gekommen waren, rundeten das Kirchengebiet weiter ab.

Die Übertragung des Königlichen Banns zu Weilburg im Jahre 1002 machte die Bischöfe mehr und mehr zu politischen Herren. Die Stellung des Wormser Stifts im Gebiet der mittleren Lahn hatte sich gefestigt. Spätere Expansionsbestrebungen verhinderte der ansässige Landadel. Haiger blieb Enklave, Nenderoth die nörlichste, unmittelbar von Weilburg aus bediente Kirche. Im Westen bildeten Dillhausen und Probbach die Grenze des Wormser Kirchengebietes.

Die Entwicklung innerhalb der Erzdiözese Trier war im 11. Jahrhundert zum Abschluß gekommen. Der Provinzbezirk gliederte sich nun in fünf Archidiakonate. Für das Lahngebiet von besonderer Bedeutung war das Archidiakonat des hl. Lubentius zu Dietkirchen, dem alle Pfarreien der späteren Unterherrschaft Beilstein, also auch Nenderoth, angehörten. Das Dietkirchener Archidiakonat unterteilte sich wiederum in sechs Landkapitel:

Kunostein-Engers, Dietkirchen, Kirberg, Marienfels, Haiger und Wetzlar.

Der Vorsitzende des Wetzlarer Landkapitels führte abweichend von der Trierer Praxis den Titel „Erzpriester“ und sein Bezirk wurde als Archivpresbyteriat bezeichnet. Ihm unterstand Nenderoth direkt. Über das kirchliche Leben vor der Reformation gibt es nur spärliche Nachrichten. In einer Urkunde vom 19. Juli 1278 genehmigt und bestätigt der Trierer Erzbischof Heinrich, daß Bischof Friedrich von Worms das ihm zustehende Patronat der Kirche zu Nenderoth dem Weilburger Stift übertragen habe. Die Patronatsverhältnisse hatten somit eine Änderung erfahren.Fortan besetzte Weilburg die Nenderother Pfarrei. Daran änderte sich auch nichts, als Graf Johann von Nassau-Dillenburg im Jahr 1308 das Wormser Gebiet innerhalb der Kalenberger Zent in Form eines Lehens an das Haus Nassau brachte.

Die Kirchspiele hatten sich in Vorreformatorischer Zeit bereits ausgebildet. Dem Nenderother Sprengel gehörten damals schon Arborn und Odersberg, sowie der rechts der Ulm gelegene Teil Münchhausens und das Anfang des 17. Jahrhunderts verschwundene Ködingen an, das bereits 1340 als Filialort von Nenderoth genannt wird. Außerdem dürfen für die frühe Zeit noch zwei Ortschaften dem Nenderother Kirchspiel zugerechnet werden, die im Zuge der spätmittelalterlichen Wüstungen untergegangen waren: Friesendorf und Königswiesen.

Friesendorf (1349 Friesendorf, 1413 Fryssendorff, 1432 Frysendorff, 1485 Friesentorff) lag im Grenzbereich der heutigen Gemarkungen Nenderoth und Rodenroth, im Walddistrikt „Rothestein“. Seine Gemarkung ist nach der „Wüstwerdung“ größtenteils Nenderoth zugewachsen. Eine Urkunde vom 29. September 1413 verdeutlicht die Zugehörigkeit des Ortes zum Nenderother Kirchspiel. Ein Geschlechtsname Friesendorf tritt von 1432 bis 1485 in Nendroth auf und verrät die unmittelbare Herkunft seines Trägers.

Königswiesen (1332 Kunixwisen, 1446 Kingswiesen, 1457 Kunixwiesen, Kunigeswesen, 1486 Konigeswesen) lag nördlich des Knoten, im Bereich des Königswieser Baches, der den Namen im Volksmund bis heute bewahrt hat. Ein Kanzleivermerk aus der Mitte des 16. Jahrhunderts bestätigt die „Wüstlegung“, die jedoch schon vor 1457 erfolgt sein muß:

„Sol Königswiesen vor alters ein dorff gewest sein vndt gegen Nenderoth gehort haben, wellichs nachhendt in abgang kommen vndt davon das Königswieserholz den namen behalten haben“.

Die Gemarkung ist zum größten Teil Münchhausen, zu kleineren Teilen Mademühlen, Arborn und Nenderoth zugefallen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1508 betrifft eine Güterverschreibung und vermittelt weitere Einblicke in die frühen Nenderother Kirchenverhältnisse. Martin Lolwen von Dillhausen, wohnhaft in Ködingen, quittiert der Kirche Nenderoth den Empfang von 20 Gulden, die er mit einem Gulden jährlich verzinste und die durch Verpfändung seiner Liegenschaften in Dillhausen und Ködingen abgesichert wurden.

Die Tatsache, daß die Pfarrei als Kreditgeber auftrat liefert den Beweis ihrer ökonomischen und administrativen Stellung in der damaligen Gesellschaft. Wie bei vielen anderen öffentlichen Aufgaben, die in späteren Zeiten von staatlichen Institutionen wahrgenommen wurden, waren es die Kirchen die Pionierarbeit leisteten.

Die Summe, die der Nenderother Kirche zur Verfügung stand, kam aus der Stiftung des Heinrich Sturm von Nenderoth. Er war in Diez zu der hohen geistlichen Würde eines Dechanten gekommen und hatte zur Bewahrung seines Gedächtnisses am Ort seiner Herkunft der Kirche einen namhaften Betrag für die Seelenmesse gestiftet. In gleicher Weise bedachte er auch das Wetzlarer Marienstift, dessen Totenbuch ihn als Henricus Sturm erwähnt. Ein alter Flurname in Nenderoth „Sturms Rödern“ soll auf ihn zurückgehen. Das Gültregister des Chorgeleuchts der Wetzlarer Stiftskirche aus der Zeit um 1350 nennt ebenfalls frühe Nenderother Personen:

Arnuldus Veltberger (1329-1337) auch als Feltbechere bezeugt) und Gela, seine rechtmäßige Ehefrau.

„Item Arnuldus Veltberger et Gela de Nenterodde, uxor sua legitima, 5 s. (den) lev(ium) de domo sua, quam possident, apud predictam Dymudim in vivo der Ernstin bi dem Gladin durne“.

Erste Namen von Geistlichen, die an der Nenderother Kirche wirkten, tauchen im 15. Jahrhundert auf. Es sind Eberhard (1432-35), Nikolaus (1455), Philipp (1473) und Johannes Klunk (1485-1530).
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Die Kirche und der Kirchhof



Weitgehend unbeschadet hat die Nenderother Kirche die Wirren ihrer langen Geschichte überdauert. Als eines der wenigen Gotteshäuser in der Region darf sie für sich in Anspruch nehmen, allen wesentlichen Teilen der spätromanischen Epoche anzugehören. Lediglich ihr südliches Seitenschiff, das durch zwei Arkaden an das Hauptschiff angegliedert war, hat sie im Laufe der Jahrhunderte eingebüßt. (s. Auch Kapitel: Vom Nenderother Gerichtswesen) An das schlichte rechteckige Schiff schließt sich durch einen Triumpfbogen getrennt im Osten ein im Grundriß quadratischer Chorturm an, dem wiederum eine kleine, halbrunde Apsis angegliedert ist. Der Turm ist nur bis zu den Schallarkaden mittelalterlich. Sein Helm dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die doppelbögigen Klangarkaden zeigen Stilelemente aus der Spätromanik und ermöglichen eine Datierung des Bauwerks in den Anfang des 13. Jahrhunderts (um 1230), also in die Zeit des Übergangsstils. In der Mitte werden sie von runden Säulen abgefangen, die fein gegliederte Knospenkapitelle und attische Basen tragen. Damit haben sie Ähnlichkeit mit der Bauplastik des Limburger Domes und der Marburger Elisabethkirche. Hinter den Klangarkaden befindet sich der Glockenstuhl. Der Altarraum öffnet sich mit frühgotischen Spitzbögen zum Schiff hin. Unterhalb der südlichen Schallöffnungen, weist der Turm zwei Schießscharten auf. Ein Indiz dafür, das die Kirche bei Gefahr einen Zufluchtsort bot. Der quadratische Altarraum im Untergeschoß des Turmes wird von einem gratigen Kreuzgewölbe überdeckt. Chor und Apsis haben kleine, romanische Rundbogenfenster, wogegen die gotischen Spitzbogenfenster im Oberteil der Südwand jünger sind. Die Kirche stellt einen Nachfolgebau dar für die ursprünglich vorhandene Kirche. Sicherlich wurde bereits im Jahr 993 bei Ortsgründung eine Kirche gebaut. Von ihr sind bisher keine Spuren gefunden worden. Der Dreißigjährige Krieg hatte auch die Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen. Schon im Jahr 1625 verpflichtete ein Visitationsbeschluß die Gemeinde zur Pflasterung des Kirchenschiffes und zur Ausfüllung der Gruben und Löcher. In einem ausfühlichen Bericht beklagte 1634 Pfarrer Georg Christian Barger den schlechten Zustand des Gotteshauses:

„Die Kirch, Pfarr und schul bäw muß das Kirchspiel in dach und fach halten. Sind alle sönderlich aber das gantze tach an der Kirch sehr bawfellig und ist auch ein gebälck in der Kirch, daran die Köpfe, so in wand und mauren liegen und ruhen, gantz verfaulet und also grosse gefahr daraus entstehen könnte, das wol in einer öffentlichen Versammlung in der Kirch ein gantz Kirspel darüber jämmerlich durch einfall dieser balcken zu grundt gehen möchte, wofern die selbige balcken nicht balt underbauet werden. Ich habe nun 2 oder 3 Jahr beim Kirspel daran getrieben und angehalten, haben auch noch newlich schriftlich sie wolte in Kurtzer frist es machen lassen: Weil aber noch nichts erfolgt: were also zum höchsten vonnöten, wo fern man ein groß unglück verhüte weil dz gantze Kirspel und sonderlich die Kirchenmeister, so zimlichträg in diesen sachen sind, durch ein obrigkeitliches ernstes Mandat dahin angehalten würden, das diese balcken noch vor diesem Winter underbawet und dz gantze sehr bawfellige Kirchen tach ein wenig renovirt werden möchte“.

Erst der Nachfolger Bargers, Heirich Breusing, der von 1643 bis 1658 dem Nenderother Kirchspiel vorstand, erreichte im Jahr 1643, daß die schadhaften Balken teilweise ausgewechselt wurden. Das nötige Eichholz ließ die Regierung dem armen Kirchspiel kostenlos im Kahlenberg anweisen. Sie unterstützte auch 1661 die umfassende Reparatur des Turmes durch die Ausfertigung eines Kollektenbriefes.

Am Ende des 18. Jahrhunderts befaßte man sich mit dem Plan einer Kirchenerweiterung. Die stark angewachsene Bevölkerung des Kirchspiels fand in dem kleinen Kirchlein kaum noch Platz. Der Beilsteiner Amtmann Chelius stand dem Vorhaben positiv gegenüber, konnte aber ebenso wenig wie das verarmte Kirchspiel die Mittel für eine Verlängerung des Kirchenschiffes aufbringen. So hielt sich die Erneuerung in bescheidenen Grenzen, veränderte am Grundriß nichts und brachte als wichtigste Neuerung eine flache Decke über dem Schiff, bestehend aus einem Balkenhangwerk.

Aus dem 18. Jahrhundert sind zwei Bestattungen überliefert, die abweichend von der Regel nicht auf dem Friedhof, sondern innerhalb der Kirche ihren Platz fanden. Maria Juliana, die Ehefrau von Pfarrer Johann Philipp Kolb war hier im Jahr 1706 „in volkreicher Versammlung in hiesiger Kirche begraben worden“, wie der Pfarrer im Kirchenbuch vermerkte. Auch die Gattin von Pfarrer Johann Peter Koch, Margarethe Elisabeth, fand im Jahr 1729 ihre letzte Ruhestätte innerhalb der Kirchenmauern.
Die Grabstätten befanden sich wahrscheinlich im Chor. Bei Umbauarbeiten im Jahre 1978 wurden hier leider keine Untersuchungen angestellt, sodaß ungeklärt bleibt, ob im Nenderother Gotteshaus eventuell noch ältere Gebeine ruhen. Die Neuordnung der politischen Verhältnisse zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatten auch Auswirkungen auf den Zuschnitt des Nenderother Kirchspiels. Ein Reskript vom 11. Juni 1819 trennte die rechts des Ulmbachs gelegene Dorfhälfte Münchhausens aus dem Nenderother Kirchspielverband heraus und vereinigte das gesamte Dorf mit Driedorf. Die Johannesburg und die Ködinger Mühle kamen zum Kirchspiel Niedershausen. Ködingen war bereits 1605 durch die Umsiedlung seiner letzten Bewohner ausgegangen. 1844 nahm man erneut den Plan einer Kirchenerweiterung in Angriff. Kirchenrat Otto weilte 1845 persönlich in Nenderoth und verhandelte mit dem Kirchenvorstand wegen der Aufbringung von 6000 Gulden für einen Neubau. Arborn und Odersberg hätten die auf sie entfallenden Kosten durch außerordentliche Holzfällungen aufbringen können, nicht aber Nenderoth. So entschloß man sich zwangsläufig zur Aufgabe der Pläne und begnügte sich wieder mit einer Renovierung.

Im Jahr 1864 fertigte Pfarrer Philipp Jakob Fischer eine Beschreibung der Nenderother Kirche an, in der er die unbefriedigenden Zustände mit drastischen Worten schilderte.

„Über diese kleine unansehnliche in einem äußerst trübseeligen Zustand sich befindende, in der Mitte des Dorfes stehende Kirche ist nicht viel zu sagen. Weiche, mag es wörtlich und buchstäblich heißen: Siehe da, eine Halle Gottes bei den Menschen. Aber ach ! Was für eine ? Sie dünkt mich so elend und so jämmerlich wie die armseeligen Strohhütten der armen Westerwälder im Vergleich zu den herrlichen Palästen in den Städten und den prächtigen Schlößern der Könige. In der That ein redendes Zeugnis von der Armut unserer Gegend ! Sie enthält durchaus keine Kunstschätze, Alterthümer und historische Denkwürdigkeiten, wie man sie in den reichen und geschmückten Domen, Münster und Kathedralen antrifft“.

Über das Äußere und Innere der Kirche schreibt er:

„Beide sind kaum zu beschreiben. Der Bau von Steinen bildet ein längliches Viereck mit einem kleinen angefügten niedrigen Chor. Vor demselben steht der Altar von Holz, erst seit etwa zehn Jahren neu errichtet. Früher stand an seiner Stelle ein alter Tisch, wie er in den alten, nicht reformierten Kirchen üblich war. Über dem Altare erhebt sich der Thurm mit 3 Glocken, daran Seile die beim Gottesdienste bei Seite gehängt werden müßen. Die Kanzel ist wie der Altargang einfach von Holz. Das Innere ist ganz kalt ohne allen Schmuck mit weißen Wänden, in denen sehr kleine Fenster sich befinden. Der Raum ist sehr beschränkt und für die drei zu dem Kirchspiel gehörenden Gemeinden viel zu klein. Die Stühle sind von Eichenholz. Der Fußboden ist von Basaltplatten sehr schlecht uneben und voller Riefen und Löcher. Sie ist 51 Fuß lang und 28 Fuß tief. Was soll ich weiter von dieser Kirche sagen, die mehr einem Stalle als einem Gotteshaus gleicht. Wenn nur die Mittel vorhanden wären, eine neue zu bauen. Aber leider ist das Kirchspiel zu arm und hat auch keine Beihilfe von anderweits zu erwarten. Die heiligen Gefäße sind bis auf einen silbernen Abendmahlbecher von Zinn und nicht nennenswerth. Nirgends findet sich ein Gebilde, ein Denkmal oder eine Inschrift. Doch genug, ich habe und weiß nicht mehr zu sagen. Unsere Kirche nimmt eine traurige, wo nicht die traurigste Stelle unter den Gotteshäusern im Herzogthum Nassau ein.“

Im Sommer 1883 wurde das Innere der Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen. Dabei bekamen die Kirchenvertreter und die Bürgermeister, die von je her einen besonderen Platz in der Kirche hatten, auf der Empore über der Eingangstür einen neuen Stuhl gebaut. Bei den Bauarbeiten kam in dem vordersten Balken die Jahreszahl 1541 zum Vorschein, die sicherlich das Baujahr der Empore dokumentieren dürfte.

Dem Umstand, daß das Nenderother Kirchspiel nicht auf Rosen gebettet war, verdanken wir heute die Existenz der einzigen in der Umgegend erhaltenen Kirche aus der Zeit des Übergangstils. Nur die alte Dillhäuser Kirche, die mittlerweile aus dem Dorfbild verschwunden ist, wies sehr verwandte Bauformen auf, sodaß man sie dem gleichen Baumeister zuschrieb. Im Jahr 1878 wurde die Kirche mit einer Orgel ausgestattet. Sie stammte aus der Werkstatt des Möttauer Orgelbauers Rasmann. Besonders von dem Schulmeister wurde die neue Einrichtung freudig begrüßt, der bis dahin den lästigen Vorsängerdienst versehen mußte. Doch war keineswegs jeder mit der Anschaffung einverstanden, und schon im Vorfeld gab es einigen Streit, wie uns die Aufzeichnungen von Lehrer Menges in der Schulchronik zeigen. Klagend vermerkte er dort im Jahr 1874:

„Die Hoffnung, ein Instrument, Harmonium oder Orgel in die hiesige Kirche zu bekommen, ging leider wieder zu Schaden. Zu viele Köpfe, zu viele Sinne. Da aber mein Gesundheitszustand es nicht erlaubte, den Vorsängerdienst zur Zeit weiter fort zu führen, so miethete ich mir ein Harmonium für 18 Reichstaler (gleich 54 Mark), in der Hoffnung, man würde mir zur Pachtsumme etwas aus der Kirchencasse beitragen. Leider hat er sich betrogen. Man läßt sich´s Spielen wie auch das Singen gefallen. Letzteres auf Kosten von Schulmeisters Hals und Lungen, ersteres auf Kosten seines Geldbeutels. Niemand, ganz und gar Niemand findet darin ein Unrecht“.

Doch einige Jahre später war es dann soweit. Folgen wir den Aufzeichnungen des Chronisten:

„Am 2.Weihnachtstag 1877 überbrachte der Postbote von Driedorf von Möttau, Amt Weilburg, einen Brief an Herrn Vicar Beinhauer, worin der Kirchengemeinde Nenderoth eine gebrauchte aber noch gute Orgel zum Preis von 1000 Reichstaler durch Orgelbauer Rahsmann zum Kauf angeboten wurde. Gegen Widerstände von verschiedenen Seiten wurde schließlich der Kauf beschlossen. Am Palmsonntag (14.April) wurde die Orgel eingeweiht. Eine Hauscollecte ergab die Summe von 700 Reichstalern. Das fehlende Geld wurde durch Kirchensteuer aufgebracht. Haben wir nun noch für jede Gemeinde einen eigenen Friedhof, so wären die äußeren kirchlichen Verhältnisse der Art, daß man zufrieden sein kann“.

Das Gelände südlich und östlich des Kirchengebäudes hatte von jeher als Friedhof gedient. Die steigenden Bevölkerungszahlen des Kirchspiels ließen jedoch den kleinen Friedhof bald zu eng werden. Hinzu kamen die langen und unbequemen Transportwege aus den Filialdörfern. Im Jahr 1885 wurde deshalb unterhalb des Dorfes von der Nenderother Gemeinde ein neuer Friedhof angelegt. Das Bestattungswesen war somit aus kirchlicher Obhut in den Aufgabenbereich der Zivilgemeinde übergegangen. Auch die Filialorte erhielten eigene Friedhöfe. Heute erinnert nur noch ein alter Hohlweg im Bergwald zwischen Odersberg und Nenderoth, der in der Überlieferung den Namen „Totenweg“ trägt, an diese Zeit. Der alte Friedhof an der Kirche diente nur noch als Obstwiese und lieferte den Küstern bescheidene Futterbeiträge für ihr Vieh. Die alte Friedhofsmauer verschwand zu Anfang dieses Jahrhunderts. In dieser Zeit verschwand auch der obere Treppenzugang von der Schulgasse aus und wurde durch eine breite Zufahrt ersetzt. In den 70 er Jahren veränderte sich das Gesicht des alten Friedhofs noch einmal. Auf seinem unteren Teil wurde ein Parkplatz für die Besucher angelegt. Dabei verschwanden die letzten beiden Grabsteine, die sich noch bis dahin erhalten hatten.

Wegen Altersschwäche wurde im Winter 1985/86 der mächtige Nußbaum vor der Kirche entfernt, der am Abend des 10. November 1883 durch Lehrer Menges im Angedenken an den 400. Geburtstag von Martin Luther „während des Anläutens des Sabaths“ gepflanzt worden war.


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