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Zuletzt aktualisiert am: 20.02.2017

Lebendiges Denkmal und Spiegel der Dorfgeschichte:



Gliederung:

Museum und Backstube
Nenderother Spezialitäten


Die Heimatstube im alten Nenderother Backhaus.

 

Zu den auffallenden Gebäuden im Dorfbild des kleinen Greifensteiner Ortsteils Nenderoth gehört das Backhaus, das zusammen mit dem historischen Brunnen den Dorfmittelpunkt bildet. Das Baudenkmal stammt aus dem Jahr 1826 und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Neben seiner ursprünglichen Funktion als Backhaus erfüllte das Gebäude stets vielfältige Aufgaben in der dörflichen Gesellschaft. Lange Zeit war hier die Feuerwehr untergebracht. Ein Spritzen- und Leiternhaus sind in ihrer Substanz auch heute noch erhalten, nur dienen sie als Buswartehalle und Lager inzwischen neuen Aufgaben. Eine Gemeindeviehwaage aus den 20er Jahren ist ebenfalls noch vorhanden, jedoch nicht mehr in Funktion. Die Räume des Obergeschosses beherbergten in vergangener Zeit den Nachtwächter, der hier seine Wachstube hatte. Darüberhinaus gehörten Gemeindehirte und die Bürgermeisterei für Jahrzehnte zu den Bewohnern. Seine lebhafteste Epoche dürfte das Nenderother Backhaus sicher in den Jahren 1835 bis 1837 erlebt haben. In jener Zeit fanden hier die Nenderother Schulkinder eine Unterkunft, nachdem ihr Schulhaus ein Raub der Flammen geworden war. Nach dem II. Weltkrieg dienten die Räumlichkeiten kurzzeitig als Militärkommandatur. Danach wurden sie Heimstatt für mehrere Flüchtlingsfamilien, die hier eine erste Bleibe fanden. Mit dem Auszug des letzten Gemeindehirten und dem Ende des Backbetriebes in den 60er Jahren verlor das Gebäude zunehmend seine Bedeutung. Nachdem auch noch die Feuerwehr eine neue Unterkunft gefunden hatte, stand das Gebäude lange Zeit ungenutzt im Dorfkern. Erst im Vorfeld des 1000 jährigen Dorfjubiläums nahm man sich des Gebäudes wieder an. Aus Mitteln der Denkmalpflege und mit kräftiger Unterstützung der Gemeinde wurde das Backhaus in den Jahren 1991 bis 1993 saniert, Dach und Schlauchturm neu eingeschiefert und auch die Räume im Obergeschoß für ihre neue Aufgabe vorbereitet: Hier fand ein kleines Museum seinen Platz, das vom Verein "Nenderother Heimatstube" unterhalten wird.


Backstube Durch die knarrende Eichentür betritt man im Erdgeschoß den eigentlichen Backraum. Zwei Backöfen bilden den Blickfang in dem düster wirkenden Bruchsteingemäuer. An den Wänden auf hölzernen Ablagen liegen die Backbretter; zahlreich umherstehende Utensilien wie "Backschoß", "Kess" und "Wisch", vermitteln dem Betrachter das Bild des einstigen bäuerlichen Backbetriebes.
Treppe Über die enge Treppe besteigt man das Obergeschoß. Schon im Treppenhaus erblickt der Besucher eine breite Palette von historischen Bildern. Sie zeigen, angefangen von einem Querschnitt alter Hochzeitsbilder, Porträts verstorbener Nenderother, Momentaufnahmen aus der bäuerlichen Arbeitswelt, Eindrücke vom Dorf, seinen Häusern und Straßen, sowie historische Gruppenbilder der Ortsvereine.
Schule Tafel, Pult und die alten engen Schulbänke legen Zeugnis ab von der einstigen Bildungsanstalt. Von den Wänden blicken Generationen von Konfirmanden- und Schuljahrgängen. Einen Blick in die alte Schulchronik, die unter einer schützenden Glasabdeckung liegt, ist ebenso möglich wie das Blättern in dem wilhelminischen "Strafbuch der Schule zu Nenderoth", in dem die strengen Pädagogen jeden Rutenstreich peinlich genau vermerkten. Auch die Porträts der Gefallenen des II. Weltkrieges haben hier ihren Platz gefunden. Dicke Katasterbücher, Amtsblätter, Flurkarten und eine umfangreiche Sammlung von Schul- und Gemeindeakten aus den vergangenen Jahrhunderten beinhaltet das kleine Archiv, das ebenfalls in der Schulstube seinen Platz gefunden hat.
Wohnzimmer Vorbei an der Räucherkammer, in der an hölzernen Stangen Speck und Würste hängen, betritt man vom Flur aus die gute Stube. Sie wird beherrscht vom mächtigen Gußofen, der wohlige Wärme verbreitet. Der grobe Eichenschrank beherbergt allerlei alte Kleidungsstücke. Kinderwiege, Tisch und Stühle komplettieren die dorftypische Räumlichkeit, deren Wände als Anstrich noch die alte "Wickeltechnik" zeigt, mit der in früheren Zeiten die Stuben des Bauernhauses geschmückt wurden. In einer Ecke erinnern zahlreiche Bücher, Bilder und ein Lebenslauf an das Schaffen des Mundartdichters Ludwig Rühle, dessen Wiege einst in Nenderoth stand.
Küche Eine Bauernküche schließt sich unmittelbar an. Auch hier ein eindrucksvolles Bild aus längst vergangenen Tagen: Wasserkessel und Waffeleisen auf dem Herd, Butterfaß und Krauthobel in der Ecke, an den Wänden die typischen Küchenutensilien und schließlich die alte "Liehbank", die der großen Familie am Tisch reichlich Platz bot. Auch der Speicher, den man über eine enge Stiege erreicht, zeigt einen bunten Querschnitt aus dem dörflichen Arbeitsleben. Holzpflug, Strohschneider, Joch und Kummet zeugen aus der bäuerlichen Arbeitswelt. Die dörflichen Handwerker wie Schmied, Wagner und Stellmacher, Weber und Schuster haben hier ihre Werkzeuge hinterlassen. Einen abschließenden Blick in die frühe Geschichte des Dorfes ermöglichen die Auslagen der Vitrine. Hier sind zahlreich Bodenfunde aus dem Nenderother Gemarkungsbereich zu bestaunen.


Die Heimatstube kann von Besuchergruppen nach Vereinbarung besichtigt werden.

Anmeldung bei Dieter Pfeiffer Tel.: 06477-300 oder per E-Mail: "mail@nenderother-heimatstube.de"

Darüber hinaus finden in jüngster Zeit auch im Backhaus wieder zahlreiche Aktivitäten statt. Die Mitglieder der "Heimatstube" heizen öfter den Ofen an, um deftiges Bauernbrot und Blechkuchen zu backen. Aktionen wie "Pizzabacken" oder die Veranstaltung "Kinder backen zum Muttertag" sind feste Termine im Jahreskalender des Vereins.



Muttertag Pizzabacken

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Nenderother Spezialitäten ...



Die Naujohrn (Neujahrsbrote)
Zu den typischsten und traditionellsten Nenderother Gerichten zählen die Naujohrn. Sie wurden im Backhaus nur in der Zeit zwischen den Jahren gebacken. Für ein Geback - ein Backofen faßt etwa 34 Brote a` 750 Gramm - werden

30 Pfund Weizenmehl,
6 Pfund Roggenmehl,
250 Gramm Hefe,
30 Gramm Nelken,
7 1/2 Liter Milch,
150 Gramm Salz,
1 1/2 Pfund Margarine
und ein kleiner Sauerteig benötigt.

Die Teigzubereitung und die Vorbereitungen zum Backen sind wie beim Brot. Nach einer knappen Stunde im heißen Backofen sind die kleinen Brote mit dem speziellen Geschmack fertig und bereichern für kurze Zeit den Speisezettel.
Der Flabbes
Ein typisches Westerwälder Gericht ist der "Flabbes". Er wird in einer speziellen, rechteckigen Gußpfanne im Backofen gebacken. Für die Zubereitung benötigte man rohe, geriebene Kartoffeln, die mit etwas Salz und geriebenen Zwiebeln gewürzt, in die eingeölte Flabbespfanne gegeben werden. Zur Verfeinerung wird die Kartoffelmasse mit Streifen von Speck oder Dörrfleisch abgedeckt, die sich beim Backen knusprig bräunen. Nach einer Backzeit von ca. 3/4 Stunde ist das sättigende und würzig schmeckende Gericht fertig.
Der Eierkäs
Ein Sonn- und Festtagsessen war der Eierkäs. Für eine große Form werden

10 - 12 Eier,
3/4 Liter Milch,
ein Eßlöffel Zucker
und etwas Salz benötigt.

Nachdem alle Zutaten kräftig verquirlt sind, wird die Masse in einen Steintopf eingefüllt und im heißen Wasserbad zum Stocken gebracht. Der schon leicht verfestigte Käse kommt dann in die typische Eierkäsform, durch deren Löcher die Flüssigkeit ablaufen kann. Über Nacht kalt gestellt, kann der Eierkäs am nächsten Tag aus der Form gestürzt und, je nach Geschmack, mit Zimt bestreut, zu Weißbrot, Kringen oder Kartoffelbrot verzehrt werden.
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