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Zuletzt aktualisiert am: 14.03.2017

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Kurs   * Backen wie Anno Dazumal *   am 05.11.2016




















Das Rühle-Buch online bestellen !

"Wäj mihr häj schwäzze, gitt kaan Minsch naut uh!"

(Wie wir hier sprechen, geht keinen Menschen nichts an !)

Ludwig Rühle und sein Nenderoth in Gedichten


Herausgegeben von Johann Peter. Erschienen im Oktober 2004, 142 Seiten, 18 historische Fotografien, fester Einband, 210 x 150 mm,
Preis 13,95 Euro + Versandkosten.





Hinweis: Ludwig Rühle auch bei wikipedia.




Zu Beginn der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts erschienen drei schmale Bände mit Gedichten in mittelhessischer Mundart. Sie hoben sich wohltuend ab von der Volkstümelei und Blut-und-Boden-Mystik, die für die Heimatliteratur jener Tage kennzeichnend war. Die Arbeit auf den Feldern im Wechsel der Jahreszeiten, Alt und Jung, Charaktere und Originale, Freud und Leid – die breite Palette dörflichen Lebens wurde hier in lebensfrischen Farben gemalt, mit Einfühlsamkeit und tiefem Verständnis, mit nuancenreicher Sprache und realistischem Scharfblick, mit launigem Humor, bisweilen auch einem Sinn fürs Groteske. Immer aber sprechen diese Texte von der unauslöschlichen Liebe, mit der ein Mensch sein erstes Erleben von Heimat bewahrt hat.

Nach 1945 waren diese Gedichte weitgehend vergessen, ihr Verfasser, Ludwig Rühle, hing in seinem bürgerlichen Brotberuf fest, und wer den Verlagen hessische Mundart anbot, hatte allenfalls dann eine Chance, wenn er auf Blauen Böcken einritt. Der Dichter aus Nenderoth, der davon geträumt hatte, daß er ein zweiter Peter Rosegger würde, starb 1967 in Weilburg, nachdem er im Alter noch einmal an den Traum seiner Jugend hatte anknüpfen wollen. Weitere kleine Bände waren erschienen, deren Bestes freilich der frühen dörflichen Phase entstammt.

Und das Dorf, dem er ein solch liebenswertes Denkmal gesetzt hat, dankt seinem Dichter. Es hält ihm die Treue; sein Name ist nicht vergessen, noch weniger sind es seine Gedichte. Mehr noch – wir glauben, daß wir in Nenderoth eine literarische Kostbarkeit hüten, ein ganz eigenes, authentisches Zeugnis einer versunkenen Zeit, die uns doch immer noch, dank der Gestaltungskraft unseres Dichters, mit frischem Atem anweht. Und daß wir die Pflicht haben, diesen Schatz mit allen Freunden von Dichtung und Mundart zu teilen.

In diesem Sinn haben wir eine Auswahl aus den Gedichten von Ludwig Rühle getroffen, sie mit einleitenden Worten und, wo nötig, Erläuterungen versehen, auch an Fotos aus unserer anderen Schatzkammer (oh, wir hüten noch manches!) haben wir nicht gespart.

Wir freuen uns daher, das Buch: „Wäj mihr häj schwäzze, gitt kaan Minsch naut uh!" im Oktober 2004 auf die Reise durchs Hessenland - und wer weiß, wohin sonst - schicken zu können. Und wir bitten darum, es freundlich aufzunehmen und den Titel vor allem nicht wörtlich zu nehmen.

Johann Peter, Autor





Leseproben:

Rühle Wie man sich einen Vertreter dieser fast ausgestorbenen Spezies, einen Heimatdichter, wohl vorstellen muß? Nun, hochgewachsen müßte er sein, oder drahtig und klein, ein Gebirgler, gipfelerfahren, oder ein sturmerprobter Bauer der Marsch, der ausholenden Schrittes seine Äcker abgeht. Ein Naturbursche halt, wettergegerbt, sonnengebäunt das Gesicht, von Furchen des Wissens wie der Weisheit zerpflügt.
(Wallend das Haupthaar, silberdurchwirkt.) Ortsgebunden, vor allem ortsfest müßte er sein, in einer Kate, auf der Alm, einer Hofstatt mit holzverschindeltem Giebel, immerdar den Duft der Scholle einatmend, das Dichterohr dem ewigen Pulsschlag des Lebens geneigt.

Und dann das fotografische Konterfei unseres Westerwald-Dichters !

Wir sind irritiert. So irritiert wie jener Waffenbruder, der nach dem Krieg als Operettenunternehmer das Land bereiste und durch Plakate auf sich und seine Truppe aufmerksam machte. Eines dieser Plakate fiel Rühle auf, und neugierig geworden, ob sich sein alter Kriegskamerad dahinter verberge, suchte er in Begleitung seines Sohnes den Impressario in dessen Allerheiligstem auf. Während nun Rühle den anderen sofort wiedererkannte, musterte dieser den vermeintlich Fremden mit Argwohn. Er habe ihn für die Steuerfahndung gehalten, ließ er den Dichter schließlich als Grund für seine Zurückhaltung wissen.

Rühle In der Tat - dieser beschlipste Kahlkopf mit dem Revisorenblick, dieser pflichtdurchdrungene Ernst, der da über gebügeltem Hemdkragen thront, diese so ganz und gar schreibstubengesättigte Aura - das also soll der Mann sein, der die Käs-Gritt den falschen Fuß waschen ließ und das Loblied der Kartoffelsupp sang ?

Und doch - man muß freilich genauer hinsehen wollen - die Personalakten-Fotografie gibt etwas preis, was die Distanz abbröckeln läßt. Am besten man deckt den ganzen Kragen- und Anzugkram mit einem Papierbogen zu, und zwar schräg vom Ohr und parallel zur Wangenpartie nach unten verlaufend. Hellt da nicht ein Zug von Verschmitztheit aus den Mundwinkeln auf? Sitzt auf den Lippen nicht Spott? Und liegt im Blick - neben Klarheit und Schärfe - nicht auch eine Ahnung von Trauer, so, wie sie tiefer Menschenkenntnis entspringt? Und dazu jene Güte, die den Menschen, trotz allem, verzeiht?






Gedicht:


Mei Äcker un mei Wisse

Eich hu deham mei Land verkaaft,
no erres net mih mei.
Wann eich dru denke, maan eich als,
däs kennt un därft net sei.

Etz erres all en fremde Hän',
gewihn dich dru, s es wuhr,
wu sich mei Ellern droff geplogt,
gihn annern Leu dorch de Fuhr.

Wos honnert Johr un noch vill mih
vir urrem Nome wor,
däss hu etz annern innerm Plouk
un annern inner der Schor.

Un wu mei Babbe fruh gesät
un all, däi vir m worn,
do see un ärwe annern Leu
un ernte Kadoffel un Korn.

Däi Wisse, däi eich zoum Dahl hat kräit,
däi wern etz vu Annern gemäht.
Wos hu mr do Haa un Grommet gemocht
n im Raa un im Sonn vir gebät.

Däi Beem, wu Äppel un Birn droff worn
un Kersche su rut un su schi,
wäi worn se us immer zor Lust un zor Fraad!
Däs es etz all net mih.

Kennt eich noch aamol met us Leu
dorch Feld un Wisse gih
wäi froiher - un sehj us Sticker all
em Erntesehje stih ...!

Eich hu deham mei Land verkaaft,
kaa aanzig Stick es mih mei.
Noo werd em Dorf iwwer korz oder lang
uns Nome vergesse sei!




„Weißt du noch, wie der....“ So fangen Geschichten an, die eine dorfbekannte Person zum Gegenstand haben und an deren Ende gelacht werden darf. Oft mischt sich Schadenfreude ins Lachen, manchmal Selbstironie, denn der Belachte spiegelt eigene Schwächen. Manchmal würzen Schalk und Komik die Pointe, dann wieder mündet die Erheiterung in Nachdenklichkeit, jenem Nachschmecken der Tiefe im Witz, die das Lachen mit dem Philosophieren verbindet. Die Akteure dieser Geschichten sind Nachbarn, Menschen wie du und ich, mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied - sie haben Einzug gehalten ins kollektive Gedächtnis des Dorfes, Abteilung Kuriosa und Käuze. Bestimmte Merkmale prädestinieren einen für diese Ehre, denn eine Ehre, mit welchem Vorzeichen auch immer, ist es allemal, wenn noch Generationen von Nachgeborenen bei der Erwähnung eines gewissen Namens schmunzelnd oder bewegt die passende Geschichte servieren. Körperliche Auffälligkeiten, auch Gebrechen, ausgeprägte Charaktereigenschaften, ungewöhnliche Handlungen, ein anrührendes Schicksal - aus solchem Stoff sind die Helden dieser Geschichten gestrickt. Wachsen sie über das Normalmaß der Dorfbewohner hinaus, werden sie balladen - oder hymnenverdächtig - und gehören eigentlich nicht mehr dazu. Weckerling Das Dorf ist eine kleine Welt, sie wahrt ihre Proportionen. So findet man kaum Helden im klassischen Sinne, dafür umso mehr Querköpfe, Dickschädel, Eigenbrödler, kurz, Originale zuhauf. Die Mundartdichtung hat zu ihnen immer ein inniges Verhältnis gehabt, erschafft sie doch ihre Gestalten, wie Gott der Herr dies einst tat, aus dem Matsch vor der Haustür. Und wenn sie dann so erdhaft ungeschminkt zu Papier gebracht sind, wird wohl niemand erwarten, daß sie hochdeutsch parlieren und Schnupftücher schwenken. Allerlei Töne kann man dieser Sprache ablauschen, derbe und solche, die von rührendem Zartgefühl sind, aber man wird keinen darunter hören, der unecht oder anmaßend klingt. Zumindest nicht bei Ludwig Rühle. Andere, die später im Blut-und Boden-Schwulst der Nazis versumpften, hielten dies anders. Doch dazu wurde schon etwas gesagt. Und einer zweiten Versuchung hat Rühle getrotzt. Er benutzt seinen Witz, um Tiefe mit Leichtheit zu würzen, nicht aber, weil ihm an billigem Lacheffekt liegt. Auch in dieser Hinsicht haben es viele anders gehalten und so, mag sein, ohne Absicht, die Mundart immer mehr zur Karnevalsnummer gemacht. Was uns hier vorgestellt wird, ist aus edlerem Holze geschnitzt. Freuen wir uns daran, daß die Konturen so scharf und unverfälscht sind, und vor allem, daß es trotz langer Jahre dazwischen, immer noch lebt.







Virm Kercheläure

n Sonndog froih - deham em Dorf -
vir lange, lange Zeire:
wäi deutlich stiht mr däs noch vir,
als wärn s all Nauigkeire.

Ds Sette wäscht noch rasch poor Strimp
un hingt se off de Blanke.
Dr alt Franks-Hannes schobt sein Bort
un brommelt en Gedanke.

Un Daniels Mine stiht um Herd
un douts Gemois als iwwer,
un Maries Frieda läft noch rasch
emol no Zipps eniwwer.

Dr Oskar botzt virm Schauerndur
ds Gäulsgescherr met peife.
Sei Brourer Albert dout derweil
de Häckselmesser schleife.

Schmidtsrurersch Awwe pleckt Selot
n Moussei voll em Goarde
un Hortmanns Gustav herbt de Saas,
su schwinn, de kannst droff worte.

Un Schäfersch Wilhelm stomm un stell
kihrts Struh virm Stall beinanner,
un Kranze Gustav schmirt sein Waa,
su kimmt als aans beis anner.

Grushannese Otto stiht um Zau,
lank Peif un Plischpantoffel,
un läßt sich vu dr Sonn beschein,
schwätzt häi un do n Muffel.

Un Schnorrborts Thedur bleibt bei m stih,
verzehlt vu ahle Zeire.
Zwi Annern dabbche stell verbei,
däi konnte sich net leire.

Un Betze Jane es firm Haus
un schwätzt met Scholze Lotte.
Se kormche iwwer ihr Gemois,
s gäb naut wäi lauter Hotte.

Un Schetze Alt kimmt vu dr Wäd
me m Aamer Born geschliche.
Ds Schäfermine zoppelt spät
dr Kouh noch u de Striche.

Spillhannjersch sei virm Stall erimm
un fertig etz met meste.
Un Philipps Otto gitt e Stick
aus junge Johrn zoum Beste.

Dr Waaner guckt m Fister raus
un schwätzt me m Hordt vum Wärrer,
derwenn sei Aare obzäit als
s Bortmesser off m Lärrer.

Doch bei Jörns Kall gitts Gresch m Haus:
e soicht sei Krogekneppche.
De Viktursch Ahlt dreckt vu dr Woch
de Bodder noch ens Deppche.

Em Öwerdorff, en Haanerschhaus
dr Wellem spillt no Note,
e bläßt of seiner schworz Klanett
huk henner de Bollsode.

De Sonn es do un scheint su hell
grod iwwer jeden Giwwel
un häi un do werd noch gewichst
u sonndogs Schouh un Stiwwel.

Dr Blecker schlabbcht zoum zwaate mol
zor Kerch zoum Zeijeläure.
Daa fihrt dr Koihert irscht noch naus,
em Gronweg s Väihj zu hoire.

Su worsch, ihr Leu, all dozemol
vir lange, lange Zeire,
un gihn eich wirrer etz dorchs Dorf
met all sei Drollichkeire,

sehjn eich des sällwich Läwe noch,
des sällwich Dou un Treiwe,
doch iwwerall fast annern Leu ...
Wäi soll eich driwwer schreiwe.

Aamol es kaaner mih vu do,
däi häi dorchs Läwe genge.
Däi poor vu domols wollt eich noch
mol en Erinnering brenge.




Blanke - Lattenzaun, pleckt Selot - pflückt Salat, Moussei - Sieb zum Gemüsewaschen, herbt de Saas - dengelt die Sense, Hotte - leere Hüllen, Wäd - Röhrenbrunnen, bei dem das laufende Wasser in großen gußeisernen Becken aufgefangen wird, zoppelt dr Kouh noch u de Striche - melkt die Kuh, Waaner - Wagner, Stellmacher, s Bortmesser off m Lärrer - das Bartmesser auf dem Leder, Bollsode - Palisaden, hoher Gartenzaun aus Latten oder Stangen, Koihert - Kuhhirte.






Kontaktaufnahme: Susanne Hermann
Tel.: 06477-1349

Beitrittserklärung



Wie an anderer Stelle erwähnt, hat der Verein ca. 32 Mitglieder."Neue" sind uns deshalb stets willkommen ! Alle Frauen, Männer und Jugendliche mit Interesse an Heimatgeschichte, oder auch nur am Backen von Brot, Pizza etc.- im alten Backhaus - können sich sicherlich in der "Nenderother Heimatstube" wohl fühlen.

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Der Jahresbeitrag liegt bei 7,00 Euro für aktive Mitglieder bzw. 25,00 Euro für passive Mitglieder.